Die Empörung der Rhein- gauer im Deutschen Bauernkrieg
Vortrag: 1525 – „Da ich einmahl ein Kriegssmann was“.
Termin: 03. April 2025 19:30 Uhr
Ort: Gemeindesaal evangelische Kirche, Mittelheim
Auch 2025 setzen wir die Tradition fort, dass Prof. Karl-Heinz Eser im Frühjahr einen heimatkundlichen Vortrag in Wort und Bild samt einer thematischen Handreichung anbietet.
Vor 500 Jahren geriet die Welt unserer Vorfahren ins Wanken. Wirtschaftliche Not, soziales Elend sowie Schwierigkeiten, das Recht gegenüber den Grund- und Leibherren durchzusetzen, prägten damals die missliche Lage der meisten Bauern in deutschen Landen.
Immer härtere Abgaben der Bauern an Adel und Klerus ließen die Wut überkochen. Sie forderten Gerechtigkeit, wie sie in der auf Deutsch übersetzten Luther-Bibel steht, träumten von einer neuen gesellschaftlichen und religiösen Ordnung, und es gehörte Mut dazu, für die eigenen Rechte zu kämpfen. Schon lange vor dem Aufstand war ihnen die ausgreifende zentrale Herrschaftsgewalt ein Dorn im Auge und eine erweiterte starke Selbstverwaltung ihr erklärtes Ziel. Der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit erhielt durch die Ausbreitung der Reformation eine zusätzliche Begründung und einen entscheidenden Rückhalt, unter anderem durch den Mainzer Domprediger Dr. Kaspar Hedio.
In den Jahren 1524 bis 1527 kam es in den süd- und mitteldeutschen Landen deshalb zu zahlreichen Aufständen. Die Rheingauer blieben nicht zurück und erhoben sich vom 23. April bis 27. Juni 1525 gegen die Mainzer Obrigkeit mit Erzbischof und Kurfürst Albrecht von Brandenburg an der Spitze. Unser „feins Ländlein“ (Seufert, 1983) gehörte – dank gerade noch rechtzeitigen Einlenkens vor dem angedrohten Einmarsch des Schwäbischen Bundesheeres – letztlich zu den wenigen Gebieten, in denen die Empörung nicht in einem blutigen Gemetzel endete.
Die Vertreter des Rheingaus ergaben sich dem erzbischöflichen Statthalter Wilhelm von Straßburg „auf Gnade und Ungnade“ und unterwarfen sich zahlreichen Forderungen. Sie mussten 15.000 Gulden Kriegskosten (heutige Kaufkraft rd. 10 Mio. Euro lt. mittelalterrechner.de) entrichten und dazu ihre Geschütze und Harnische abgeben. Die neun Rädelsführer des Rheingaus, die Hauptmann Frowin von Hutten zuhause angetroffen hatte, wurden am 14. Juli abgeführt und in Eltville „am Leibe gestraft und enthauptet“.
1527 schränkt die Neue Landesordnung des Erzbischofs als direkte Antwort auf den Aufstand (Breviernotiz: „Rhinkauer seynd bös Bauer“) die Freiheiten und die Selbstverwaltung des Rheingaus wesentlich ein. Unter anderem werden die linksrheinischen Rheingauer Gebiete um Bingen und das Amt Algesheim abgetrennt. Die Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stand erkennbar hinter dem Aufstand, sollte aber erst ab der Zeit der Französischen Revolution (1789–1799) ideelles Gemeingut werden und Weltgeschichte machen.