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Biblische Betrachtungen - oder: Die Aktualität der Heiligen Schrift

Biblische Betrachtungen - oder: Die Aktualität der Heiligen Schrift
Biblische Betrachtungen - oder: Die Aktualität der Heiligen Schrift
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  • Evangelium

  • Predigt

Livestream auf YouTube

Der Gottesdienst am 17. Mai um 11:15 Uhr aus Eltville mit dieser Predigt wurde Live auf YouTube gestreamt. Dort finden Sie nun auch eine Aufnahme des Gottesdienstes.

Liebe Schwestern und Brüder,

die heutigen Lesungen sind so reich an „Denkstoff“, dass ich mich darauf beschränken möchte, zu jeder einen kurzen Hinweis zu geben – und so zum eigenen Lesen animieren möchte:

- Im Evangelium ist der Abschied mit Händen zu greifen: Was bleibt? Wie geht es weiter? Worauf sollen die Jünger achten? „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14,15). Ein eigenartiger Satz. Liebe und Gebot. Dabei: nicht ein einziges Gebot wird genannt! Was gemeint ist: die Haltung, die Lebensweise Jesu, das also, was Ihm „geboten“ schien. Wenn wir einen anderen wirklich lieben, gibt es keinen wirklichen Unterschied mehr zwischen dem „was ihr wollt und was ich will“. Für Liebe wird hier das Wort Agape benutzt: Es meint die Entscheidung meines Willens: es ist mir wichtig, mit Jesus befreundet zu sein!

In gewissem Sinne leben wir gerade in einer Situation des Abschieds: des Abschieds vom Gewohnten. Dazu gehört auch vieles von dem, was uns in und rund um Kirche vertraut war. Wie in vielen anderen Bereichen unseres Lebens auch wird es anders weitergehen als bisher. Was bleibt? „Wenn ihr mich liebt“ – die Haltung Jesu, die Lebensweise Jesu: sie nachzuahmen sind wir in der Nachfolge aufgerufen. Es ist spannend, unter dieser Rücksicht die Evangelien zu betrachten. Dort können wir entdecken, was auf jeden Fall bleiben muss, wenn wir Christen sein wollen.

- Diesen Gedanken möchte ich weiterführen, indem ich auf die zweite Lesung aus dem 1. Petrusbrief schaue: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Wenn mich ein Fremder in diesen Tagen besuchen würde oder jemand kommt durch die Arbeit bedingt neu mit mir zusammen: was würde er an mir sehen, bemerken, wahrnehmen, was mich als Christen ausmacht? Käme er auf die Idee zu fragen: „Warum machst du das so und so? Wieso denkst du da anders? Was trägt dich gerade in dieser Zeit?“ Christsein lebt von einer starken Hoffnung auf Zukunft, einer nach vorne offenen Zukunft, einer Erfüllung. In aller Bedrängnis, die der eine oder die andere in dieser Zeit mehr oder weniger spürt ist das doch eine Grundmelodie, die von uns ausgeht. „Bescheiden und ehrfürchtig“, wie es Petrus in seinem Brief anmahnt, also nicht protzend und besserwisserisch. Wobei „ehrfürchtig“ oder „mit Ehrfurcht“ hier die Verpflichtung gegenüber Gott meint, eben von dieser Freundschaft Zeugnis zu geben, dieses Glück, dieses Heil nicht für mich zu behalten.

- So gesehen ist das, was in der Apostelgeschichte erzählt wird – und damit bin ich bei der ersten Lesung angelangt – heute auch für uns sehr aktuell: Ab Kapitel 8 wird berichtet, wie die junge Christengemeinde durch die Verfolgung, die nach der Ermordung des Stephanus hereinbrach, aus Jerusalem floh und sich zerstreute. Aus dem Zentrum weg, aus dem Angestammten. Doch was geschieht: Mission! So wird es uns heute von Philippus erzählt: Menschen in Samarien, für gläubige Juden Heidenland, bekehren sich durch das Zeugnis des Philippus zu Christus! Zuerst ist das ungewohnt und die wenigen, die in Jerusalem bleiben, vor allem die Apostel, wissen noch nicht, wie sie damit umgehen sollen. Eine Prüfkommission wird geschickt und so können ganz entscheidende Schritte zu etwas ganz Neuem gegangen werden.

Ich kann verstehen und ich merke dass auch an mir selbst, dass wir erst einmal noch an dem Gewohnten hängen – eben weil es gewohnt ist. Vertraut. Das gibt auch Sicherheit. Dennoch: Der Geist Gottes ruft in der Geschichte immer wieder heraus und meist ganz anders als gedacht und geplant. Immer wieder sind es scheinbar zufällige äußere Ereignisse, die zu etwas führen, was niemand gedacht und erhofft hätte. Da planen wir in Deutschland einerseits im Synodalen Weg eine „neue“ Kirche und dann kommt durch Corona tatsächlich etwas, das uns zu Neuem zwingt! Sicher: wir werden prüfen müssen und es wird – wie in der Apostelgeschichte auch – Streit und Auseinandersetzungen um den weiteren Weg gehen. Aber dennoch, wenn wir Kirche Jesu bleiben und werden wollen, wird es anders, neu, erneuert weiter gehen. Die Planungen dafür trifft ein Anderer.

Das ist es, was wir jetzt bezeugen können, wenn wir Ihn lieben, wenn wir an Seinen Geboten, an Seiner Lebenshaltung festhalten wollen. Und irgendwie ist das in aller Bedrängnis Frohe Botschaft. Amen.

 

Fürbitten

Christus, den Herrn, der uns im Heiligen Geist begleitet und neue Wege führen will, bitten wir:

- Hilf Deiner Kirche weltweit, in unserem Land, unserem Bistum und unseren Gemeinden, dass wir mutiger werden und auf die Kraft des Geistes vertrauen, der in uns wohnt und durch uns wirkt.

Christus- höre uns – Christus erhöre uns

- Für alle, die in Staat, Gesellschaft und Wissenschaft verantwortlich tätig sind: hilf ihnen gerade in diesen Wochen, im Blick auf das Wohl der Menschen zu denken und ihr Tun vor ihrem Gewissen zu verantworten.

- Zeige besonders denen, die durch die aktuelle Krise in private und wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind, Deine Nähe und lass sie darauf vertrauen, dass sie durch Dich und Deine Vorsehung gut geführt werden.

- Wir bitten für alle Erkrankten, ihre Angehörigen und für alle, die in Pflegeberufen arbeiten: Halte sie in ihrer Angst, stärke ihre Hoffnung und mache uns bereit zu Solidarität und Verzicht.

- Nimm unsere Verstorbenen auf in die ewigen Wohnungen, die Du uns allen bereiten willst.

Dir, dem Vater, sei Dank, denn durch Deinen Sohn schenkst Du uns alles, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Dr. Robert Nandkisore
Pfarrer
Kirchgasse 165343Eltville
Tel.:06123 703770